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Fußball & Typografie

Schon diese Überschrift wird die meisten meiner geneigten Leser abschrecken, aber es sind nun mal zwei meiner Leidenschaften, und da ich sie in Form eines Free-Fonts kombinieren konnte, lest Ihr vielleicht doch weiter!

Rudi befühlt Klinsis Nummer

Rudi will nur das eine – Die schönen Ziffern fühlen.

Vielleicht geht es dem ein oder anderen ähnlich wie mir: Die Leidenschaft für die Buchstaben begann mit dem Nachzeichnen. Bei mir waren es ab der fünften Klasse vor allem Bandnamen, die ich auf Schulutensilien und alles andere malte. Später wurde auch der Fußball interessant, und da in den Neunzigern noch fast jede Mannschaft dieselben Rückennummern hatte, konnte man mit einem einmal verinnerlichten Ziffernsatz universell arbeiten; Dem Mittelfeldregisseur wurde mit der 10 zur Ehre gereicht, der Freund mit der 0 verspottet.

Irgendwann fiel jedoch auf den Rücken der Spieler das Schriftenmonopol, und was woanders für angenehme Vielfalt sorgt, wurde hier schnell zum Desaster (und ist es noch heute). Ohne Rücksicht auf Sinn und Lesbarkeit wurde und wird versucht, fehlende Originalität eines Vereins mit einer möglichst ausgefallenen – zumeist völlig aberwitzig-unleserlichen – Schrift auszugleichen.

Die alten Ziffern verschwanden und stehen heute prägend für eine bestimmte Sport-Epoche, die von Mitte der Achtziger bis Mitte der Neunziger anhielt und ihren Höhepunkt in der WM 1990 hatte.

Andi Brehme legt sich den Ball zurecht

Andi Brehme legt sich den entscheidenden Elfmeter im WM-Finale 1990 zurecht.

Was mich jedoch am meisten wunderte, war, daß die alten Ziffern tatsächlich nirgends als Font aufzutreiben waren. Wenn mal in einem Forum danach gefragt wird, wird immer auf die üblichen eckigen Verdächtigen verwiesen; Aber eine detailgetreue digitale Entsprechung war unauffindbar – bis ich mich der Sache annahm!

Ich habe also Bilder der alten Schriften gesucht und unter den Varianten, die es von diesem Formprinzip gab, die für mich prägnanteste nachgezeichnet.

Inklusive der Basler-Sieben, versteht sich!

Ich bin der starren Konstruktion treu geblieben, habe die gängigsten Formen als Standard behalten und ein paar Alternativen mit aufgenommen. Somit ist die Basler-Sieben auf »/« gelandet und die Eins ohne Fuß auf »!«. Wer es semantisch korrekt mag, kann aber auch die OpenType-Stylistic-Sets bemühen. Der komplette Zeichensatz:

Liberos Zeichensatz

Die Ziffern des Libero-Fonts. Die alternativen Zeichen sind in Stylistic Sets 1–4 versteckt.

Auch wenn der Font für Trikots gedacht ist, habe ich mit Hilfe des @font-face-Generators von Fontsquirrel auch ein Webfont-Kit erstellt. Und damit ein Fußball-Blog auch ordentlich Datum oder Plazierung schreiben kann, habe ich Punkt, Binde- und Gedankenstrich mit reingepackt.

Rückennummern aus den 90ern

Dem Fußball-Nostalgiker geht das Herz auf beim Anblick der Ziffern in Verbindung mit klangvollen Namen.

Das Resultat heißt »Libero« (Weil der damals Standard war und heute genau wie die Nummern ausgestorben ist) und gibt es kostenlos auf typefacts.com/libero für unkommerzielle Zwecke.

Zeigt mal, was Ihr damit macht!

Kommentare (7) [abonnieren]

  1. 1 | HP | 12.12.2011 13:56

    super :) die Trainings-1 von Olli haste aber unterschlagen ;)

    http://img.webme.com/pic/w/werdersammlung/cimg3518.jpg

  2. 2 | Christoph | 13.12.2011 09:32

    Stimmt. Aber die war mir dann doch zu gurkig … ;)

  3. 3 | Christoph | 13.12.2011 09:33

    Libero in use at Typostammquiz! http://pic.twitter.com/0y1rY0se

  4. 4 | Joe | 16.12.2011 08:47

    Geile Sache! :-) Danke für den Font!

    Bei mir war es in der Kindheit übrigens genauso, ich habe auch angefangen, Schriften nachzuzeichnen. Wenn auch in meinem Fall die Times New Roman.

  5. 5 | koni | 09.01.2012 14:02

    Hatte selbst diese Monster von Rückennummern auf dem Buckel. Naja, als Nr. 1 war’s dann halb so schlimm.
    Bin aber schon froh, daß das Monopol gefallen ist jetzt.
    So wirklich (typo)grafische Qualität kann ich nicht erkennen in den Formen.
    Und warum man uns unsportliche Blöcke auf den Rücken laden wollte, hab ich seinerzeit auch nicht verstanden. Und über die Lesbarkeit brauchen wir ja erst gar nicht zu diskutieren.
    Daß sie inzwischen aus nostalgischen Gründen sinnvoll anzuwenden steht außer Zweifel. Jedes WE muß ich sie aber nicht (mehr) haben.
    Und meine erste Nr. 1 hat mir meine Mama auch selber auf den Pullover genäht. Ein wunderschöner, weißer senkrechter Balken auf schwarzem Trikot.

  6. 7 | Frank Fischer | 22.06.2014 20:58

    Hallo,

    ich habe mir deine Schriftart »Libero« von typefacts heruntergeladen,
    die Schriftart wird aber in word und allen anderen Programmen nur als Fußball dargestellt und nicht als Schrift.
    Wie kann das sein?

  7. 8 | Christoph | 24.06.2014 07:50

    Hallo Frank, die Schrift beinhaltet nur Ziffern, auf allen anderen Zeichen liegen Bälle.

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