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»Süddeutsche« Anführungszeichen

Wo ist Typefacts, wenn man es mal braucht? – Diese Frage stellt sich mir beim Blick auf die erste Seite der Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung. Eine Zitatesammlung, die mit Anführungszeichen und solchen, die es meinen zu sein, nur so um sich schmeißt.

Falsche/fehlende Anführungszeichen in der SZ

Hier meine Top3 der Zitate zum Thema »Schimpf und Schande in der Politik - eine Typologie« im Detail:

  1. »Gemischtes Doppel«

    „Einförmige Blonde, die lärmend über unsere Strände herfallen."
    Der italienische Tourismusstaatssekretär Stefano Stefani 2003 über die Deutschen

    Richtiges einleitendes Anführungszeichen, aber hinten bleibt das böse doppelte Strichlein stehen. Richtig wäre:

    „Einförmige Blonde, die lärmend über unsere Strände herfallen.
    Der italienische Tourismusstaatssekretär Stefano Stefani 2003 über die Deutschen

  2. »Stark angefangen, stärker nachgelassen«

    „‚Arbeit macht frei“, das ist das, was mir bei diesem Begriff einfällt.“
    Ludwig Stiegler über den Unionsslogan „Sozial ist, was Arbeit schafft, 2005

    Hier geht es erstmal vorbildlich los: Richtiges doppeltes Anführungszeichen, gefolgt vom richtigen einfachen Anführungszeichen im verschachtelten Zitat. Allerdings wird dann vorschnell nach der Verschachtelung mit einem doppelten schließenden Anführungszeichen gleich das ganze Zitat abgebrochen. Und als Zugabe wird dem schicken Unionsslogan auch noch das schließende weggenommen … Richtig wäre:

    „‚Arbeit macht frei, das ist das, was mir bei diesem Begriff einfällt.“
    Ludwig Stiegler über den Unionsslogan „Sozial ist, was Arbeit schafft, 2005

  3. »Verzettelt statt Verschachtelt«

    „Die Muslime fühlen sich zunehmend als „die Juden von Europa”.
    Großbritanniens muslimischer Entwicklungsminister Shahid Malik, 2008

    Auch hier wird das Zitat im Zitat zum Verhängnis und das Chaos komplett. Wo bei Ludwig Stiegler noch ein richtiges einfaches Anführungszeichen die Verschachtelung einläutete, kommt hier direkt ein zweites doppeltes ins Spiel. Immerhin konsequent geht es jedoch weiter: Wenn schon falsch anfangen, dann doch auch gleich alles versemmeln! Und so wird das innere Zitat erst gar nicht mehr geschlossen, das äußere dafür mit dem englischen! Richtig wäre:

    „Die Muslime fühlen sich zunehmend als die Juden von Europa‘“.
    Großbritanniens muslimischer Entwicklungsminister Shahid Malik, 2008

Der Klassiker mit zwei doppelten Strichlein wird natürlich auch geboten, aber gerade die bunte Mischung macht ja hier die »Qualität« aus … Ich verspreche jedenfalls, daß es bald einen Artikel zum Thema geben wird.

Faustregel für Gänsefüßchen: Deutsch 99 unten – 66 oben, englisch 66 oben – 99 oben

Bis dahin könnt Ihr Euch die einfache Faustregel merken: Deutsch 99 unten – 66 oben, englisch 66 oben – 99 oben, und zumindest bei den Tastaturkürzeln nachschauen, wie man an die richtigen Zeichen rankommt!

Kommentare (6) [abonnieren]

  1. 1 | Indra | 12.10.2009 14:48

    großartig!

  2. 2 | Beschneider | 13.10.2009 17:33

    Vielen Dank (auch an die Süddeutsche)! Mal wieder ein sehr lehrreicher Eintrag.
    Werden die verschachtelten Zitate im Englischen der Regel zur Folge dann mit 6 vorne - 9 hinten gebildet?

  3. 3 | Thomas Scholz | 14.10.2009 10:13

    Konsequent wird im dritten Beispiel auch dem Genitiv der Kopf abgeschlagen.

    Mehr muß man über den »Qualitätsjournalismus« der alten Medien eigentlich nicht wissen …

  4. 4 | Christoph | 15.10.2009 15:32

    Richtig, »Beschneider«,
    und das macht es teilweise etwas mißverständlich, wenn ein Apostroph ins Spiel kommt. Der ist nämlich dann identisch zum einfachen schließenden Anführungszeichen:
    “He said ‘I’ll go to Harrod’s’, as far as I know.”

  5. 5 | Schoschie | 19.11.2009 09:43

    Die Faustregel für Gänsefüßchen würde ich verbessern, damit man sich auch merkt, ob die Zeichen oben oder unten stehen:

    Deutsch: 99 unten – oben 66
    Englisch: 66 oben – oben 99

  6. 6 | Christoph | 26.11.2009 13:12

    Du hast Recht, Schoschie, ich werd’s gleich mal ändern. Vielen Dank!

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