{"version":"https:\/\/jsonfeed.org\/version\/1","title":"Typefacts","description":"Typografie verstehen","home_page_url":"https:\/\/typefacts.com","feed_url":"https:\/\/typefacts.com\/feed\/json","items":[{"id":"https:\/\/typefacts.com\/blog\/das-grosse-eszett","url":"https:\/\/typefacts.com\/blog\/das-grosse-eszett","title":"Das gro\u00dfe Eszett","content_html":"
\"eszett_cover\"<\/a>
<\/span><\/figcaption><\/figure>\n

Der Rat f\u00fcr Rechtschreibung<\/a> hat am 29.6.2017 die Gro\u00dfbuchstabenvariante des \u00df (\u00bbVersaleszett\u00ab) zugelassen, womit das bei deutschen Typografen wohl umstrittenste Zeichen nun in der offiziellen deutschen Rechtschreibung angekommen ist. Seit Jahren schon herrscht ein erbitterter verbaler Disput zwischen zwei typografischen Lagern: Eine Seite k\u00e4mpft seit Jahren daf\u00fcr, dieses Zeichen gro\u00df (sic!) rauszubringen, die andere verteufelt es als bestenfalls unn\u00f6tig und un\u00e4sthetisch.<\/p>\n

Typefacts m\u00f6chte nachfolgend die wesentlichen Informationen zum Thema sachlich zusammenzufassen \u2013 sowohl f\u00fcr Anwender als auch Designer des Zeichens.<\/p>\n

Darum geht\u2019s<\/h3>\n

Im Deutschen gibt es das Zeichen \u00bb<\/span>\u00df<\/span>\u00ab<\/span> (scharfes s, Eszett, Rucksack-s \u2026<\/em>) \u2013 doch was es eigentlich ist und wie damit umzugehen ist, dar\u00fcber gibt es unterschiedliche Auffassungen:<\/p>\n

    \n
  1. Ligatur<\/a> (Zusammensetzung) aus \u00bb<\/span>\u017f<\/span>\u00ab<\/span> und \u00bb<\/span>s<\/span>\u00ab<\/span> (oder \u00bb<\/span>\u017f<\/span>\u00ab<\/span> und \u00bb<\/span>z<\/span>\u00ab<\/span>\/\u00bb<\/span>\u0292<\/span>\u00ab<\/span>):
    \nDa es keine Gro\u00dfbuchstabenvariante des langen s (\u017f) gibt, folgte daraus:
    \nMa\u00dfe \u2192 MASSE<\/strong>
    \n(= MASSE\/Masse)
    \nDies kann \u2013 speziell bei Eigennamen \u2013 missverst\u00e4ndlich sein.<\/li>\n
  2. Eigenst\u00e4ndiges Zeichen \u00bb<\/span>\u00df<\/span>\u00ab<\/span>:
    \nEin eigenst\u00e4ndiges Zeichen kann (und muss?) es als Klein- und Gro\u00dfbuchstabenform geben. Daraus folgt:
    \nMa\u00dfe \u2192 MA\u1e9eE<\/strong>
    \n(\u2260 MASSE\/Masse)
    \nEigennamen bleiben somit auch in Versalien \u2013 wie im Personalausweis \u2013 eindeutig.<\/li>\n<\/ol>\n
    \"eszett_versalsatz\"<\/a>
    Zus\u00e4tzlich zu (2) ist nun auch (3) m\u00f6glich. (4) ist und bleibt falsch. Das Versaleszett ist nur f\u00fcr den Gro\u00dfbuchstabensatz gedacht. Es gibt keine W\u00f6rter, die mit \u00df anfangen!<\/span><\/figcaption><\/figure>\n

    Die dringlichsten Fragen<\/h3>\n

    Muss ich es verwenden?<\/em>
    \nNein, aber Du darfst es jetzt offiziell.<\/p>\n

    Muss es meine Schrift enthalten?<\/em>
    \nNein, dein Font unterst\u00fctzt auch ohne Versaleszett die deutsche Sprache (wenn \u00e4\u00f6\u00fc\u00df\u00c4\u00d6\u00dc enthalten sind).<\/p>\n

    Gestaltung<\/h3>\n

    Das gr\u00f6\u00dfte Problem ist wohl das Design des Zeichens: Wie kann eine Gro\u00dfbuchstabenvariante von etwas aussehen, das es eigentlich nur als Kleinbuchstabe(n) gibt?<\/p>\n

    Grunds\u00e4tzlich sind viele<\/a> Formen<\/a> denkbar, doch in den letzten Jahren haben sich die nachfolgenden Auspr\u00e4gungen herauskristallisiert \u2013 so mancher Typedesigner hofft aber immer noch auf eine \u00fcberzeugendere L\u00f6sung (s. Kontroverse \u261f<\/a>).<\/p>\n

    \"versaleszett_formen\"<\/a>
    Vier Grundkonstruktionen des Versaleszetts:\n\u00bbDresden\u00ab (1) und \u00bbLeipzig\u00ab (2) nach Andreas St\u00f6tzner,\n\u00bbFrankfurt\u00ab (3) und \u00bbBerlin\u00ab (4) nach Adam Twardoch. Mehr Beispiele auf typography.guru<\/a>.<\/span><\/figcaption><\/figure>\n

    Mit Bedacht vorgehen sollte man in jedem Falle; Selbst f\u00fcr Muttersprachler wirkt ein Versaleszett h\u00e4ufig ungewohnt, zudem spottet die Gestaltung \u2013 vor allem auch in den Systemschriften \u2013 zum Teil jeder Beschreibung:<\/p>\n

    \"versaleszett_systemschriften\"<\/a>
    Das Versaleszett in Geneva, Baskerville SemiBold Italic und Baskerville Bold (macOS)<\/span><\/figcaption><\/figure>\n

    Verwechslungsgefahr<\/h3>\n

    Das Eszett wird gern mit dem griechischen Buchstaben beta verwechselt oder auch \u2013 besonders im Versalsatz \u2013 mit dem B.<\/p>\n

    ß<\/span>
    Eszett<\/span><\/div>U+00df<\/span>
    <\/span>\u00df<\/span><\/div>
    <\/span>\u00df<\/span><\/div><\/div>
    β<\/span>
    beta<\/span><\/div>U+03B2<\/span>
    <\/span>\u2014<\/span><\/div>
    <\/span>\u2014<\/span><\/div><\/div>
    B<\/span>
    B<\/span><\/div>U+0062<\/span>
    <\/span>\u21e7 + B<\/span><\/div>
    <\/span>\u21e7 + B<\/span><\/div><\/div><\/div>\n

    Das gro\u00dfe Eszett wird in seinen g\u00e4ngigen Formen gern mit dem B verwechselt.<\/p>\n

    ẞ<\/span>
    Versal-Eszett<\/span><\/div>U+1E9E<\/span>
    <\/span>\u2014<\/span><\/div>
    <\/span>\u2014<\/span><\/div><\/div>
    B<\/span>
    B<\/span><\/div>U+0062<\/span>
    <\/span>\u21e7 + B<\/span><\/div>
    <\/span>\u21e7 + B<\/span><\/div><\/div><\/div>\n

    Wie kann ich das Zeichen eingeben?<\/h3>\n

    Auf der Tastatur sucht man das Versaleszett vergeblich, es bleiben letztendlich nur die \u00fcblichen steinigen Wege<\/a> zum Einf\u00fcgen eines unzug\u00e4nglichen Zeichens:<\/p>\n

    Copy\u200a\/\u200aPaste<\/h4>\n

    Am einfachsten:
    \n\u1e9e<\/strong> kopieren und einf\u00fcgen<\/p>\n

    Linux<\/h4>\n

    Compose<\/kbd> + S<\/kbd> + S<\/kbd> (nacheinander) oder
    \nUmschalt<\/kbd> + Alt Gr<\/kbd> + S<\/kbd> (gleichzeitig).<\/p>\n

    macOS<\/h4>\n

    Mit ctrl<\/kbd> + cmd<\/kbd> + Leertaste<\/kbd> den Dialog \u00bbEmoji und Symbole\u00ab einblenden, dann nach dem Unicode 1E9E<\/code> suchen (und ihn f\u00fcrs n\u00e4chste Mal in den Favoriten speichern)<\/p>\n

    Oder man l\u00e4dt<\/a> und nutzt unseren Alfred Workflow<\/a>.<\/p>\n

    MS Windows<\/h4>\n

    Der Windows-Version entsprechend, muss man jeweils andere Tastenkombination t\u00e4tigen.
    \nAlt Gr<\/kbd> + H<\/kbd>
    \nAlt Gr<\/kbd> + Umschalt<\/kbd> + \u00df<\/kbd>
    \nlinkes Alt<\/kbd> + 7<\/kbd> 8<\/kbd> 3<\/kbd> 8<\/kbd> (Ziffernblock)<\/p>\n

    MS Word<\/h4>\n

    Eingabe des Unicodes, anschlie\u00dfend alt- und c-Taste dr\u00fccken
    \n1<\/kbd> E<\/kbd> 9<\/kbd> E<\/kbd> + Alt<\/kbd> + C<\/kbd><\/p>\n

    Welche Fonts enthalten das Zeichen?<\/h3>\n

    In den letzten Jahren ist eine gro\u00dfe Anzahl von Schriften mit Versal-Eszett entstanden. Einige vorz\u00fcgliche Foundrys haben das Zeichen in ihren Standardzeichensatz \u00fcbernommen, z.B.:<\/p>\n