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Ligaturen

Ligaturen sind Zeichen, die aus mehreren verbundenen Buchstaben bestehen. Sie verdeutlichen Lauteinheiten oder helfen störende Lücken zu vermeiden. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil professioneller Typografie, und Friedrich Forssman und Ralf de Jong nennen den Satz ohne Ligaturen gar eine »formale Verarmung der Typografie« (Detailtypo, S. 29). Im Folgenden werden Ligaturen und deren korrekter Einsatz vorgestellt.
Zunächst jedoch ein kleiner Test: Welche Ligaturen sind falsch und an welchen Stellen fehlen Ligaturen?

In jeder Zeile ist eine Ligatur versteckt (Klicke auf das Ausrufezeichen links oben, um sie hervorzuheben), aber nicht alle sind richtig. Klicke auf eine Ligatur, um sie aus- oder wieder einzuschalten; auf den Button unten rechts, um die Lösung zu erfahren! [Schrift: FF Milo Serif]

Für den Einsatz von Ligaturen kann es im Allgemeinen drei verschiedene Gründe geben:

  1. Vermeidung von Löchern oder Kollisionen
    Bei besonders ausladenden Buchstabenformen kann es schnell zu unerwünschten Problemen kommen: Folgt einem solchen f beispielsweise ein i, hat man die berühmte Wahl zwischen Erhängen und Erschießen: Sollen die Zeichen kollidieren oder Abstand halten und somit ein unschönes Loch erzeugen? Die Lösung sind oft Ligaturen, in diesem Fall eine fi-Ligatur.

    Hier verhindert die fi-Ligatur eine unschöne Kollision zwischen f und dem i-Punkt. [Schrift: Auto 3 Bold Italic]

  2. Einfache Bildung von Lauteinheiten
    Konsonanten, die zusammen einen speziellen Laut ergeben, schob man gern etwas näher zusammen, z.B. im Deutschen tt und ch. Diese Ligaturen sind oft in gebrochenen Schriften zu finden und heute zum Großteil nicht mehr üblich.

    In gebrochenen Schriften findet sich noch oft die ch-Ligatur, die den entsprechenden Laut verdeutlichen soll. [Schrift: Typographer Rotunda (kostenlos)]

  3. Verzierte Bildung von Lauteinheiten
    In diesem speziellen Fall werden Lauteinheiten verziert hervorgehoben. Hier soll die Ligatur auffallen und die Lauteinheit besonders verdeutlichen und schmücken, z.B. bei durch einen Bogen verbundenen st-Ligaturen.

    Auch hier soll die Lauteinheit »ch« verdeutlicht werden, allerdings wesentlich exravaganter. (Wegen der Kollision von f und i findet sich außerdem eine fi-Ligatur) [Schrift: DTL Fleischmann Display Italic]

»Ligaturen-Knigge«

Wo in allen anderen Sprachen Ligaturen nach Herzenslaune gesetzt werden können, gibt es im Deutschen einige wichtige Differenzierungen:

Keine Ligaturen an Wortfugen und bei Beugungsendungen

Wo zwei Bestandteile eines zusammengesetzten Wortes aufeinandertreffen, spricht man von einer »Wortfuge«, hier durch einen roten Abstand gekennzeichnet: Wort fuge.
Diese Nahtstellen dürfen im Deutschen nicht durch Ligaturen verbunden werden. Ähnliches gilt für Beugungsendungen wie -lich, -lisch, -los, -lein, -te, -ten etc., die immer ohne Ligatur angehängt werden.
In allen anderen Sprachen gibt es keine solchen Restriktionen.

Die Wortfugen sind rötlich gekennzeichnet: Im Deutschen darf keine Ligatur über eine Wortfuge gehen, wohingegen im englischen »Offbeat« sogar eine ffb-Ligatur möglich und richtig ist. [Schrift: FF Unit Rounded Pro Bold]
Über’s Ziel hinausgeschossen! Wer findet die unmögliche Ligatur?

Keine Ligaturen bei erhöhter Laufweite

Wird die Laufweite vergrößert, wirken Ligaturen fehl am Platz. Der »interne« Zeichenabstand paßt dann nicht mehr zum Zeichenabstand des restlichen Textes. Hier kann man sich im Allgemeinen auf die professionellen Satzprogramme wie Adobe InDesign verlassen, die Ligaturen bei Vergrößerung der Laufweite automatisch auflösen.

Durch Ziehen an der roten Markierung läßt sich die Laufweite verändern. Je größer sie ist, desto unpassender wirkt der Zeichenabstand innerhalb der Ligatur. [Schrift: Ambroise Regular]

»Zierligaturen« nur in kurzen Texten

Die kunstvoll verbundenen Buchstabenpaare können in Überschriften und kurzen Texten sehr reizvoll sein. Allerdings ziehen sie die Aufmerksamkeit des Auges zu stark auf sich, so daß sie in längeren Texten meist störend wirken.

Verfügbarkeit in Schriften und Programmen

fi-Ligatur
——
⇧+⌥+5
U+FB01
fl-Ligatur
——
⇧+⌥+l
U+FB02
ff-Ligatur
——
——
U+FB00
ffi-Ligatur
——
——
U+FB03
ffl-Ligatur
——
——
U+FB04
ſt-Ligatur
——
——
U+FB05
st-Ligatur
——
——
U+FB06

Die Ligaturen fi und fl sind im Mac-Standardzeichensatz (Mac OS Roman) enthalten und dadurch in den meisten professionellen Fonts enthalten. Seltener sind Ligaturen wie ff, ffi oder »Zierligaturen« wie st. Vor dem Schriftenkauf empfiehlt es sich, den Zeichensatz einer Schrift zu begutachten (z.B. Mrs Eaves bei FontShop).
Aufgrund der oben genannten Anwendungsregeln empfiehlt es sich bei deutschen Texten, die Automatik der Satzprogramme auszuschalten und die Ligaturen via Suchen/Ersetzen bewußt einzufügen: → Typefacts-Workshop Ligaturen einfügen

Sonderfälle

Das scharfe s (ß)

Unser liebes scharfes s! Es ist in Deutschland genausowenig totzukriegen wie die diesbezüglichen Diskussionen. Ist es eine Ligatur aus ſ + s oder ſ + z?
Zu diesem Thema wird es noch einen eigenen Artikel geben …

Das Et-Zeichen (&)

Das Et-Zeichen oder Ampersand ist ursprünglich eine Ligatur aus den Buchstaben e und t (»et« lateinisch für »und«), was manchen Ausprägungen des Zeichens nachwievor anzusehen ist. Mehr dazu im entsprechenden Artikel.

PS

Wem dies alles zu kompliziert ist, der nehme einfach eine Schrift, die aufgrund ihrer Gestaltung keine Ligaturen benötigt! :)

Jan Tschichold gestaltete Sabon so, daß keine Kollisionen entstehen, die Ligaturen nötig machen würden.

Kommentare (5) [abonnieren]

  1. 1 | Michael Wolff | 28.01.2010 12:09

    Hallo!
    Sehr interessant. Aber gibt es im Deutschenschriftsatz wirklich eine Ligatur bestehend aus drei Buchstaben (Beispiel ffi)?

  2. 2 | Christoph | 31.01.2010 16:16

    Hallo Michael, spontan fiele mir »griffig« ein! Viele Grüße, Christoph

  3. 3 | Kid Karl | 03.02.2010 14:13

    Also wenn, dann ist es wohl die ligatur des alten, langen »s«, das innerhalb des Wortes stand und des »z«
    Erkennt man anhand der Entwicklung der Schrift, zwischen carolingischer Minuskel über die humanistische Schrift zur Fraktur (chronologisch).

    Beste Grüße

    Kid Karll

    PS: 04.02.2010 ab 16:30Uhr Werkschau Hochschule Mannheim

  4. 4 | Ludwig | 09.04.2013 13:02

    Ich habe das Gefühl dass öfter Ligaturen falsch verwendet werden als gar nicht, wahrscheinlich weil sie einfach mechanisch auf den gesamten Text angewendet werden. Viele Schriften enthalten Ligaturen, die meines Wissens im Deutschen kaum vorkommen: fb fh fk usw. Gibt es eine Statistik oder Liste, welche Ligaturen in welcher Sprache wie oft vorkommen?

    Grüße, Ludwig

  5. 5 | Christoph | 09.04.2013 20:36

    Eine Statistik kenne ich nicht. So viel ich weiß, gibt es die Wortfugen-Regelung nur im Deutschen. Und dadurch, daß Ligaturen in OpenType-fähigen Programmen (und Browsern!) standardmäßig angeschaltet sind, sieht man immer mehr unsinnige Ligaturen, da hast Du leider Recht …

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