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Anführungszeichen

Es gibt kaum eine Sache, die häufiger falsch gemacht wird als unsere liebevoll »Gänsefüßchen« genannten Anführungszeichen. Das liegt zum einen an Unkenntnis, zum anderen aber natürlich auch einmal mehr an unserer urzeitlichen Tastatur, die die korrekten Zeichen gut versteckt hält.
Letzteres ist mit der Tastaturkürzel-Übersicht von Typefacts kein Problem mehr, aber was die mangelnde Kenntnis angeht … Probier’s erstmal aus:

Ziehe nacheinander mit gedrückter Maustaste ein Anführungszeichen an den Anfang und an den Schluß des Zitats. Ein Klick auf den Button zeigt zum Vergleich in rot die richtigen Formen an den richtigen Positionen. [Schrift: Arlt Bianca]

Öffnende Gänsefüßchen
alt + 0132
⌥+^
U+201E
Einfaches öffnendes Gänsefüßchen
alt + 0130
⌥+s
U+201A
Einfaches schließendes Gänsefüßchen
alt + 0145
⌥+#
U+2018
Schließende Gänsefüßchen
alt + 0147
⌥+2
U+201C
 

Anführungszeichen werden zum Zitieren von Textpassagen, zur Ironisierung und Distanzierung genutzt. Zur Verschachtelung gibt es einfache und doppelte Anführungszeichen.

Eselsbrücke: 99 unten, 66 oben!

Im Deutschen sitzt das öffnende Anführungszeichen unten, weshalb die Verwendung des doppelten Kodierungszeichens gleich doppelt falsch ist: Weder Position noch Form stimmen. Dabei ist die Regel eigentlich ganz einfach: 99 unten, 66 oben! Die Zeichen sind eben nur etwas versteckt

Die oft verwendeten doppelten Kodierungszeichen haben sowohl die falsche Form als auch die falsche Position. [Schrift: FF Bau Super]

Robert Bringhurst empfiehlt, möglichst wenig Anführungszeichen zu verwenden und stattdessen – wo sinnvoll – kursiv zu setzen. Auch Jan Tschichold nennt das Anführungszeichen »deutlich wohl, aber nicht gerade satzverschönernd« (Schriften 1947–1974 Band 2, S. 185).

Warum nicht einfach "so"?

'
Einfaches Kodierungszeichen
shift + #
⇧+#
U+0027
"
Doppeltes Kodierungszeichen
shift + 2
⇧+2
U+0022

Es läge nahe – Jeder macht es, man hat sich schon fast daran gewöhnt und am schnellsten geht es auch noch, da die doppelten Kodierungszeichen – Schreibmaschine sei Dank – über shift + 2 einfach zu erreichen ist.
Fast alle Quellen heben nur den Zeigefinger und erklären, daß es falsch ist, aber warum es falsch ist, erklärt eigentlich nur Hans Peter Willberg (Typolemik, S. 127): Es führt schlicht und einfach zu Verwirrung; Man verliert den Überblick, wo gerade wörtliche Rede anfängt und wo sie aufhört. Und alles, was das störungsfreie Lesen behindert, widerspricht dem Sinn der Typografie: Dem Leser dienen.

Besser nicht: Doppeltes Kodierungszeichen statt richtiger Anführungszeichen. [Schrift: Galliard Italic]

Guillemets – Die elegante Variante

»
Öffnende Guillemets
alt + 0187
⇧+⌥+q
U+00BB
Einfache öffnende Guillemets
alt + 0155
⇧+⌥+n
U+203A
Einfache schließende Guillemets
alt + 0139
⇧+⌥+b
U+2039
«
Schließende Guillemets
alt + 0171
⌥+q
U+00AB
 

Die »französischen« Anführungszeichen werden nach ihrem wahrscheinlichen Erfinder Guillaume Le Bé auch Guillemets (»kleine Willis«) genannt.
Im Deutschen werden sie im Gegensatz zum Französischen und Schweizerischen »nach innen zeigend« verwendet, obwohl grundsätzlich auch nichts gegen die umgekehrte Verwendung spricht.

Im Deutschen werden die Guillemets – im Gegensatz zum Französischen – nach innen zeigend verwendet. [Schrift: Ingeborg Fat Italic]

Ihr großer Vorteil gegenüber den Gänsefüßchen liegt darin, daß sie durch ihre Form weniger Luft um sich herum haben und somit keine störenden Löcher in den Text reißen. Das kommt dem typografischen Grundsatz eines möglichst ruhigen Satzbildes entgegen, so daß sie z.B. in Büchern der Quasi-Standard sind.
Um die Störung zu minimieren, empfiehlt Jan Tschichold gar die Verwendung von einzelnen Guillemets als primäre Anführungszeichen nach dem Schema ‹–«–»–›. (Schriften 1947–1974 Band 2, S. 185)

Beim Satz gebrochener Schrift sollten keine Guillemets verwendet werden.

Verschachtelung

Soll beispielsweise wörtliche Rede innerhalb eines Zitats dargestellt werden, greift man auf die einfache Variante des Anführungszeichens zurück. Auch hier haben die »französischen« Anführungszeichen einen Vorteil, da hier keine Verwechselungsgefahr mit Komma oder Apostroph besteht.

Bei verschachtelten Zitaten wird es spätestens dann verwirrend, wenn Kommata und Apostrophe ins Spiel kommen. Guillemets schaffen Klarheit. [Schrift: Caecilia Light]

Andere Länder, andere Zeichen

Englisch öffnend
alt + 0147
⌥+2
U+201C
Englisch einfach öffnend
alt + 0145
⌥+#
U+2018
Englisch einfach schließend
alt + 0146
⇧+⌥+#
U+2019
Englisch schließend
alt + 0148
⇧+⌥+2
U+201D
 

Jedes Land hat seine eigenen orthografischen Besonderheiten, und an Details wie den richtigen landesspezifischen Anführungszeichen erkennt man den sorgfältigen Typografen. Wikipedia bietet eine gute Übersicht.

Eselsbrücke für englische Anführungszeichen: 66 oben, 99 oben!

Gern werden im Deutschen die doppelten Kodierungszeichen (»Zollzeichen«) fälschlicherweise als englische Anführungszeichen angesehen und dementsprechend durchgehen gelassen. Aber auch wenn die Position (vorne und hinten oben) die gleiche ist, sind die Zeichen im englischsprachigen Raum ebenso falsch wie hier. Die Eselsbrücke für die englischen Anführungszeichen ist genau anders herum wie die deutsche – 66 oben, 99 oben: Der Engländer öffnet, womit der Deutsche schließt.

Der Engländer öffnet, womit der Deutsche schließt. [Schrift: Studio Slant]

Fremdsprachliche Zitate in deutschem Text

Kurze fremdsprachliche Zitate sollten dieselben Anführungszeichen wie der umgebende Text erhalten, wohingegen man längere Passagen ruhig mit den landesspezifischen Anführungszeichen versehen kann.

Keine Anführungszeichen!

˝
Doppelakut
⇧+⌥+t
U+02DD
"
Doppeltes Kodierungszeichen
shift + 2
⇧+2
U+0022
ʺ
––
––
U+2033
>>
Zwei Größer-als-Zeichen
>
>
U+003E
 

Alle gezeigten Zeichen sind keine Anführungszeichen; Der Doppelakut ist ein ungarischer Akzent, das doppelte Kodierungszeichen ist ein Überbleibsel der Schreibmaschine und außerhalb von Programmcode allenfalls als Ersatz für das schwer erreichbare und selten vorhandene Zollzeichen zu gebrauchen. Auch ein beliebter Fehler: Kleiner-als und Größer-als zweimal hintereinander als Guillemets benutzen. Autsch.

Anführungszeichen und optische Achsen

Eine durchgehende linke Achse beruhigt das Satzbild und trägt somit zur besseren Lesbarkeit eines Textes bei. Deshalb sollten öffnende Anführungszeichen, die diese Achse stören, besser außerhalb plaziert werden.

Nicht nur Robert Gernhardts Wal-Episode aus den Animalerotica macht sich wesentlich besser, wenn die linke Achse nicht gestört wird. [Schrift: Caecilia Light]

Anführungszeichen und Kerning

Gänsefüßchen sind durch ihre Form prädestiniert dazu, in Kombination mit anderen Buchstaben Löcher und Kollisionen zu verursachen. Deshalb sollte sichergestellt werden, daß der Font, den man verwenden möchte, sorgfältig gekernt ist; am besten mit dem Typefacts-Kerningtest.

Vor dem W entsteht ein Loch, und das f kollidiert mit dem schließenden Anführungszeichen. In professionellen Fonts werden diese problematischen Stellen durch Kerningpaare entschärft. [Schrift: Ingeborg Fat Italic]

PS: Vorne anführen, hinten abführen?

Statt »Abführungszeichen« sollte man laut Detailtypografie besser »Schlußzeichen« oder »Ausführungszeichen« sagen …

Kommentare (27) [abonnieren]

  1. 2 | Carlo | 17.11.2009 09:11

    Ein wirklich wertvoller Beitrag!
    Vielen Dank!

  2. 3 | Michael Hochleitner | 17.11.2009 09:29

    Sehr fein! Spielerisch Typografie lernen. Gefällt mir sehr gut!

  3. 4 | Benni | 17.11.2009 11:19

    Sehr gut, danke für diesen Beitrag!
    Eine Frage habe ich noch: Wie setzt man Anführungszeichen ein, wenn ein Text (ein Zitat z.B.) mit einem Initial beginnt?

  4. 5 | Christoph | 17.11.2009 13:13

    Vielen Dank für die Blumen! :)

    Michael, mit Deiner schönen Ingeborg lernt sich’s ja auch viel besser. Danke nochmal!

    Benni, ich hatte noch überlegt, ob ich das noch mit reinpacke …
    Robert Bringhurst schreibt, man solle es klein links neben das Initial setzen.
    Das kann allerdings etwas komisch aussehen. Deshalb darf es auch einfach weggelassen werden.

  5. 6 | Thomas Scholz | 18.11.2009 14:09

    Schöner Artikel, danke!

    Leider haben wir aus dem Englischen nicht nur die falschen Anführungszeichen importiert und das fehlplazierte Apostroph, sondern auch die Unsitte, Guillemets als Pfeile zu mißbrauchen (siehe Link).

    Hierbei hilft nur, die Leute sanft und stetig zu mehr Sorgfalt anzuregen. Wenn es hilft …

  6. 10 | Hanspeter Spälti | 06.12.2009 12:56

    Sensationelle Seite!

    Achtung: Yes, if English!

    Grosse E!!

  7. 11 | Christoph | 10.12.2009 21:27

    Vielen Dank, Hanspeter,

    Du hast natürlich völlig Recht und ich hab’s geändert!

  8. 12 | van_dance | 20.02.2010 15:48

    Hi,
    vielen Dank für die Super-Seite. Aber wie kann man optische Achsen bei InDesign einstellen?

    Lieben Gruß,
    Vincent

  9. 13 | Christoph | 24.02.2010 22:32

    Hallo Vincent,
    danke für Dein Lob! :)
    Eine Methode ist, vor das Anführungszeichen ein Leerzeichen zu setzen und dann einen großen negativen Kerningwert einzustellen.
    Aber falls jemand etwas Eleganteres weiß, nur zu!
    Viele Grüße,
    Christoph

  10. 14 | andreas althaus | 16.06.2010 11:14

    Im französischen Textsatz verwendet man die Anführungszeichen wie folgt:

    « La Grande Dame de la Rébimasse est très symphatique ».

    (Anführungszeichen auf; Leerschlag) (Leerschlag; Anführungszeichen zu)

  11. 16 | Sacha Heck | 23.07.2010 09:27

    Hi,

    Sehr schöner Beitrag. Obwohl gerade über die Anführungszeichen schon viel geschrieben wurde und hier vieles wiederholt wurde, kann man es nicht oft genug sagen und schreiben und hoffen, dass es mehr Anwendung findet :) Cool auch die interakltiven Beispiele. Darf ich fragen wie die technisch gemacht wurden?

    Gruß,
    Sacha

  12. 17 | Christoph | 23.07.2010 12:49

    Hallo Sacha,

    vielen Dank für Deine netten Worte! Du hast recht, man kennt das natürlich alles schon, aber mein Bestreben ist es eben, es verständlicher zu präsentieren.

    Die interaktiven Sachen habe ich alle mit meinen rudimentären Flash-Kenntnissen zu Fuß programmiert – deswegen hakt’s auch hier und da mal …

    Viele Grüße,
    Christoph

  13. 19 | Christian | 12.10.2010 11:56

    Hilfreich hierzu auch in InDesign:

    http://www.mediengestalter.info/forum/8/indesign-anfuehrungszeichen-optisch-angleichen-101928-1.html

  14. 20 | Micha | 11.11.2010 18:15

    Sau gut. Die Seite ist sehr schön gemacht und genau das was ich brauche.
    Lieben Gruß
    Mika

  15. 21 | Christoph | 16.11.2010 22:34

    Vielen Dank, Micha – Schön, Dich hier zu sehen! Und irgendwann hoffentlich mal wieder in natura … Liebe Grüße, Christoph

  16. 22 | Wishu Kaiser | 16.02.2011 22:18

    Danke gerade die »Guillemets« haben mir weitergeholfen. Aber wie man am vorhergehenden Satz evtl sieht, habe ich eine Frage.

    Was mache ich, wenn ich ein Wort etwas hervorheben will? Im Webdesign kann ich das leicht mit [em] machen, da es in den meisten Fällen um genau dieses Wort geht. Was mache ich aber zum Beispiel bei Twitter oder in Chats? Nutze ich dort diese Striche, welche auf SHIFT+2 zu finden sind, oder brauche ich dafür etwas Anderes.

    Zudem noch ein Vorschlag, über neue Kommentare per E-Mail benachrichtigen lassen ist durchaus sinnvoll, besonders bei mir jetzt, da ich keine Konkrete Frage habe.

    Danke schon mal.

    Gruß
    Wishu

  17. 23 | Christoph | 18.02.2011 12:47

    Hallo Wishu, im Grunde liegt es nur an Dir, wie phantasievoll Du bist und wie ernst Du die Sache nimmst. Entweder einfach die doppelten Strichlein oder die richtigen Anführungszeichen, GROSS oder *zwischen Sternchen* … Erlaubt ist dort, was gefällt!
    Danke für den Vorschlag, da muß ich mich erst mal mit der Technik befassen …

  18. 24 | Martin | 25.02.2011 17:26

    Danke für die schöne Übersicht!

    Ein Problem habe ich allerdings noch bei Schriften, die das deutsche Schlusszeichen bzw. das englische Anführungszeichen (66 oben) drehen, so dass es von links oben nach rechts unten zeigt, z.B. Verdana oder Corbel. Das finde ich einfach störend und irgendwie falsch. Was tun?

    m.b.

  19. 25 | Christoph | 03.03.2011 22:41

    Hallo Martin,
    Du hast recht, das ist wirklich eine unschöne Sache. Und da ich hier Verdana verwende, habe ich mich entsprechend für die Guillemets entschieden.
    Das falsche Zeichen zu verwenden, nur damit es in diesen fehlerhaft gestalteten Schriften richtig aussieht, würde ich unbedingt vermeiden.
    Dann schon lieber die Schrift wechseln …

  20. 27 | Rheingold-Satz | 31.08.2011 18:21

    Im Russischen werden die »Guillemets« wie im Französischen mit den Spitzen nach außen verwendet. Im Arabischen gibt es sie in runder Form, wie doppelte runde Klammern in x-Höhe.

  21. 29 | Aedan Daly | 22.11.2011 18:26

    In der Schule habe ich gelernt:

    doppelte Anführungszeichen für Zitate
    einzelne bedeuten Ironie, Sarkasmus etc

  22. 30 | Alex | 29.11.2011 12:03

    Wow! Was für eine herrliche Seite - über Anführungszeichen kann es keine bessere geben! Gerne möchte ich Dich auch für die Seite http://typefacts.com/kerningtest mit Lob überschütten - leider kann man da keine Kommentare verfassen.

  23. 31 | Abby | 29.01.2012 22:11

    Wirklich wunderschöne Seite, ich habe sie gleich weiterempfohlen. Warum ich sie aber überhaupt erst gefunden habe, hat sich trotzdem noch nicht ganz geklärt. Bei universitären Hausarbeiten sind Guillemets leider nicht drin. Ich muss in einem deutschen Text aber englische Zitate verwenden, bei denen im Originaltext Wörter in doppelten Anführungszeichen geschrieben sind. Für mich bedeutet das leider, dass bei einem Zitat Abschlussanführungszeichen und schließende Gänsefüßchen aufeinander prallen. Wie kann ich das verhindern. Darf ich beim Zitieren die ersteren mit einfachen Gänsefüßchen ersetzen? Vielen Dank für die Hilfe.

  24. 32 | Christoph | 30.01.2012 20:53

    Hallo Abby,
    um ehrlich zu sein, habe ich es noch nicht so ganz verstanden. Auf alle Fälle kannst Du bei kurzen fremdsprachlichen Passagen innerhalb eines deutschen Textes ruhigen Gewissens die »deutschen« Anführungszeichen verwenden. Und wenn es verschachtelt ist, auch die einfachen.
    Vielleicht lassen sie sich aber auch zum Teil vermeiden, wenn Du den englischen Teil kursiv setzt?
    Viele Grüße,
    Christoph

  25. 33 | Josef Pius Gritsch | 10.09.2012 17:53

    Eigentlich wollte ich nach meiner Pensionierung ein Buch zu guter Typografie schreiben. Das erübrigt sich – besser als auf deinen Seiten kann man Feintypografie nicht begründen und rüberbringen. Super

  26. 35 | Raymund Achner | 23.10.2013 14:33

    Der Genitiv von „Lars“ ist „Lars“. Im Deutschen gibt es kein Apostroph beim Genitiv! Aber ansonsten eine sehr informative Seite!

  27. 36 | Peter Maaswinkel | 07.03.2014 14:52

    Eine klare, übersichtliche, vollständige Darstellung der zu benutzenden Zeichen und der dazughörigen Codes! Habe es probiert, es klappt. Herzlichen Dank!

Trackbacks (9)

  1. uberVU - social comments | 17.11.2009 08:42

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