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Binde- und Gedankenstrich

Ein kleiner Unterschied mit großer Wirkung – und häufig falsch gemacht. Die beiden Geschwister Bindestrich (-) und Gedankenstrich (–) unterscheidet meistens nur ihre Länge, und dennoch ist es alles andere als egal, welchen der beiden man verwendet. Bevor ich weiter unten auf die Details eingehe, kannst Du im folgenden Spiel testen, ob Du weißt, wann welcher der beiden verwendet wird.

Ziehe mit gedrückter Maustaste die Zeichen in die Lücken und lasse die Maustaste los, um sie dort einzurasten. Ein Klick auf den Button unten verrät Dir, ob Du richtig liegst! [Schrift: Cronos Light]

Bindestrich (-)

-Bindestrichdirekt: -direkt: -Gedankenstrichalt+0150⌥+-Geviertstrichalt+0151⇧+⌥+-Minus——————

Er war einst die dünnste Linie, die die Breitfeder hergab und demnach ursprünglich in einem Winkel von 20–45° nach oben gerichtet (Daher kommt auch die alte Unart des Verdoppelns, um ihn vom Komma zu unterscheiden). Heute kennen wir ihn meist als kurze, waagerechte Linie; in Serifenschriften teilweise auch mit kleinen angedeuteten Endstrichen.

Der Bindestrich steht nie zwischen zwei Leerzeichen!

Im Gegensatz zur Bedeutung seines Fachbegriffs »divis« (von lat. dividere – teilen) soll er die Zusammengehörigkeit von Wortteilen und zusammengesetzten Begriffen stärken.

  • Bindestrich als Trennstrich
    Bindestrich als Trennstrich
  • Bindestrich zur standardisierten Schreibweise des Datums
    Bindestrich zur standardisierten Schreibweise des Datums
  • Bindestrich als Ergänzungsstrich
    Bindestrich als Ergänzungsstrich
  • Bindestrich bei Zusammensetzungen mit Buchstaben und Ziffern
    Bindestrich bei Zusammensetzungen mit Buchstaben und Ziffern
  • Bindestrich als Koppelungsstrich: »Fritz Walter«, aber:
    Bindestrich als Koppelungsstrich
  • Bindestrich zur Verdeutlichung von Zusammensetzungen
    Bindestrich zur Verdeutlichung von Zusammensetzungen

Gedankenstrich (–)

-Bindestrichdirekt: -direkt: -Gedankenstrichalt+0150⌥+-Geviertstrichalt+0151⇧+⌥+-Minus——————

Der Gedankenstrich (auch »Streckenstrich« oder »Halbgeviertstrich«) besteht auch in Serifenschriften meist aus einer schnörkellosen horizontalen Linie, die etwas länger ist als der Bindestrich. Er hat eher trennende Funktion und kann als Ersatz für das Minuszeichen (das nicht per Tastatur erreicht werden kann) benutzt werden.

Da er (zumindest auf Windows) schwieriger zu erreichen ist, wird fälschlicherweise schnell auf den Bindestrich zurückgegriffen. In Notfällen (Monospaced-Satz, SMS, E-Mails …) darf statt des Gedankenstrichs auch ein doppelter Bindestrich benutzt werden.

  • Gedankenstrich
    Gedankenstrich
  • Gedankenstrich als Strecken- und Bis-Strich
    Gedankenstrich als Strecken- und Bis-Strich
  • Gedankenstrich in Wortgruppen
    Gedankenstrich in Wortgruppen
  • Gedankenstrich bei Gegenüberstellungen
    Gedankenstrich bei Gegenüberstellungen
  • Gedankenstrich zur Kennzeichnung von Pausen
    Gedankenstrich zur Kennzeichnung von Pausen
  • Gedankenstrich als Spiegelstrich in Listen
    Gedankenstrich als Spiegelstrich in Listen

    Der Abstand zwischen Spiegelstrich und Wort sollte etwas größer als ein Leerzeichen sein.

  • Gedankenstrich als Minuszeichen
    Gedankenstrich als Minuszeichen
  • Gedankenstrich als Auslassungsstrich
    Gedankenstrich als Auslassungsstrich
  • Gedankenstrich zwischen Interpret und Titel
    Gedankenstrich zwischen Interpret und Titel

Geviertstrich (—)

-Bindestrichdirekt: -direkt: -Gedankenstrichalt+0150⌥+-Geviertstrichalt+0151⇧+⌥+-Minus——————

Der längere Geviertstrich (—) kann meist – mit geringeren Abständen – alternativ zum Gedankenstrich benutzt werden. Indra Kupferschmidt schreibt ihm klassische literarische Wirkung zu, wohingegen ihn Robert Bringhurst als »zu lang für gute Typografie« bezeichnet.

Kommentare (22) [abonnieren]

  1. 1 | Wishu | 27.04.2009 09:52

    Dankeschön für die schöne Auflistung. Ich denke nun habe ich es endlich verstanden. Gerade der Satz, dass ein Bindestrich nie zwischen zwei Leerzeichen steht ist deutlich.

    Ich habe aber leider noch nicht ganz den Sinn des Geviertstrichs verstanden.

    Gruß
    Wishu

  2. 2 | Christoph | 28.04.2009 23:02

    Hallo Wishu, im Grunde kannst Du den Geviertstrich vergessen. In Amerika wird er sehr gern anstelle des Gedankenstrichs genommen, aber durch seine Länge neigt er dazu, Löcher in die Zeilen zu reißen, was Unruhe erzeugt und kontinuierliches Lesen eher stört.

  3. 3 | Gerrit | 29.04.2009 10:44

    Wie verhält es sich denn mit dem Gedankenstrich und Zeilenumbrüchen? Darf der Gedankenstrich am Ende einer Zeile stehen, wenn der durch ihn umschlossene Gedanke erst in der nächsten Zeile folgt?

  4. 4 | Christoph | 29.04.2009 10:49

    Da empfehle ich einen Klick bei den »Webseiten zum Thema« auf Fontblog! :)

  5. 5 | Gerrit | 29.04.2009 15:57

    Treffer, versenkt. Danke! :)

  6. 7 | Oliver Kremer | 28.11.2009 19:53

    Eigentlich stöbere ich ja gerade in Blogs um mir Anregungen für mein eigenes Design zu verschaffen (Vorliegendes ist übrigens höchst interessant)… Nun bin ich hier hängen geblieben.

    Seit je her versuche ich meinen Azubis den unterschied zwischen Gedanke- und Bindestrichen zu vermitteln. Eine »echte« Erklärung hatte ich - bis jetzt - nicht.

    Danke,

    Oliver

    PS: Ich hoffe, dass ich »die Striche« richtig gesetzt habe…

  7. 8 | Nelson | 03.05.2010 11:34

    Vorzügliche Darstellung!
    Anm. zum Halbgeviertstrich: Warum ist der relativ einfache Zugriff Strg + Ziffernblock-Minuszeichen nicht genannt?

  8. 9 | Christoph | 03.05.2010 12:32

    Hallo Nelson,
    Deine Lösung scheint nur begrenzt zu funktionieren, und mit programmspezifischen Lösungen will ich lieber niemanden verwirren …

  9. 10 | Daniel | 30.09.2010 11:49

    Danke! Dringend notwendig, diese Seite. Ich ärgere mich tot über Artikel-Manuskripte, die man mühsam korrigieren muss…

  10. 12 | erik | 07.10.2010 17:20

    Eigentlich ist der Streckenstrich ein Geviertstrich, der sich deutlich vom Gedankenstrich unterscheidet. So macht das bis heute die Bahn bei ihren Fahrplänen. Allerdings haben wir bei der DBType den Geviertstrich nicht wirklich ein ganzes Geviert breit gemacht, weil das doch zu doof aussieht. Wenn man allerdings Tabellen setzen will, ist es einfacher, wenn alle Ziffern auf Halbgevierten stehen (wie im Bleisatz üblich) und der Streckenstrich dann eben so breit ist wie zwei Ziffern.

  11. 13 | Michael König | 19.10.2010 00:01

    Lieber Christoph, eine tolle und - vor allem - einfache Erklärung. Vielen Dank dafür! Besonders bei der Verwendung des Gedankenstrichs zwischen Zeitangaben (»1908-2008«) war ich mir nicht sicher, bis ich Deine erhellenden Erklärungen hier gelesen habe. Eine Frage habe ich aber noch: Die Verwendung des Gedankenstrichs gilt ebenso für Seitenangaben, oder nicht? Ich sehe oft Manuskripte, bei denen im Fußnotenbereich nur ein Divis zwischen den Seitenangaben steht (Beispiel: Vgl. Oliver Kahn: Nummer eins; S. 10-11). Ah, da fällt mir noch eine Frage ein, die ich gerade bei diesem Beispiel entdecke: Gibt es eigentlich neben der Regel für Fußnoten, dass diese einheitlich sein sollen, eine Regel, die besagt, die Seitenangabe mit einem Semikolon zu trennen, wie ich es getan habe? Ganz liebe Grüße, Michael

  12. 14 | Christoph | 25.10.2010 20:26

    Hallo Michael,
    entschuldige bitte die verspätete Antwort!

    Die Verwendung des Gedankenstrichs gilt ebenso für Seitenangaben, oder nicht?
    Auf alle Fälle, deswegen auch »Bis-Strich«: S. 10–11.

    Gibt es eigentlich neben der Regel für Fußnoten, dass diese einheitlich sein sollen, eine Regel, die besagt, die Seitenangabe mit einem Semikolon zu trennen, wie ich es getan habe?
    So viel ich weiß, gibt es hier keine allgemein gültigen Regeln. Bei Wikipedia ist auch von mehreren gängigen Systemen die Rede. Ich würde mich vor allem an die jeweiligen Vorgaben und den »gesunden Menschenverstand« halten: Hauptsache deutlich und kosequent!

    Viele Grüße,
    Christoph

  13. 15 | Michael | 18.07.2011 09:55

    Danke für diese anschauliche Darstellung. Da ich mich grade mit Typografie beschäftige, bin ich nun dabei, diese Seite von A–Z (Auch hier der Gedankenstrich als »Bis-Strich«?) durchzusehen und alles Wissen aufzunehmen.
    Lediglich eine Frage tut sich mir auf: Warum sollte man den Gedankenstrich auch als Minuszeichen verwenden, wenn dieses auch direkt zur Verfügung steht?
    Außerdem geht die Rechnung, die im Zusammenhang mit diesem Beispiel gemacht wird nicht auf – 4-2=1 stimmt nicht! (Stimmt der Gedankenstrich vor der Vier?)

  14. 17 | Caro | 06.12.2011 10:14

    Hallo,

    zum langen Gedankenstrich / Geviertstrich ein Hinweis aus dem Deutsch-LK vor ca 15 Jahren: der wird gerne verwendet für längere Auslassungen, wenn also eine ganze Menge nicht gesagt wird. Wir hatten damals als Beispiel die Novelle der Marquise von O.: Dort passiert während eines Gedankenstrichs eine komplette Vergewaltigung, die - in dieser Form - viel Raum für Interpretationen lässt.

    Ansonsten möchte ich mich aber auch nochmal anschließen: super Darstellung von einem wichtigen Thema, das einen doch immer wieder ins Straucheln bringt!! Sehr hilfreich auch die Tastenkombis, da schau ich bestimmt noch oft nach.

    VG, Caro

  15. 18 | Lucas | 05.10.2012 12:34

    Wieso der Unterpunkt „Gedankenstrich als Minuzeichen“ ?
    Sollte man nicht gerade bei Rechenausdrücken das Minuszeichen verwenden, obwohl es leider keinen Alt-Code besitzt?

  16. 19 | Christoph | 06.10.2012 13:36

    Hallo Lucas, Du hast Recht, das sollte ich mal etwas klarer formulieren, ähnlich wie bei den Temperaturen. Danke für den Hinweis!

  17. 20 | Mario Wehner | 30.12.2012 18:14

    Mikrotypografische Feinheiten machen halt oft den Unterschied!

  18. 21 | Melanie | 03.02.2013 16:43

    Die Seiten eines Buches verbindet man mit einem Bindestrich, nicht mit einem Gedankenstrich. Und vor einem Gedankenstrich steht immer ein Leerzeichen, danach meistens auch.

  19. 22 | Tobi | 04.02.2013 14:21

    Der Geviertstrich wird übrigens häufig im Englischen als Gedankenstrich, ohne Leerzeichen, verwendet:

    »Lorem ipsum—dolor sit amet.«

  20. 26 | Luxemburg | 23.05.2014 16:43

    Kurze Frage: welchen Strich setzt man, um bei Zahlenwerten »bis« auszudrücken, z. B. »10-12 cm« - und wird dann eine Lücke vor und hinter dem Bindestrich eingefügt, wie man es jetzt immer öfter sieht, was ich allerdings als sehr störend empfinde …?

  21. 27 | Christoph | 01.06.2014 20:49

    Entschuldige, ich dachte, das würde im Artikel klar:
    Der Halbgeviertstrich dient als Gedanken- und eben auch als Bis-Strich. Richtig wäre also »10–12 cm«, ohne Leerzeichen (höchstens ein wenig spationiert).

  22. 28 | peter | 18.06.2014 14:05

    Super Artikel.

    4 – 2 ergibt aber nach Adam Ries 2.

    ;)

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  1. 26+ » 24. AdventsZeichen 2013 | 24.12.2013 07:04

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